Geschichte

Geschichte des Tischtennis

Von den Anfängen bis zum 40-jährigen Bestehen der Bundesliga von M. Moor

Europameister 2007! Was dem deutschen Fußball vor drei Jahren verwährt blieb, haben Timo Boll und Co. dieses Jahr in Belgrad geschafft. Mit einem Dreifachtriumph machten sie der schnellsten Ballsportart der Welt alle Ehre.

Wie sich Tischtennis entwickelte und warum es sich bis heute fest im Breitensport etabliert hat, soll in dieser Hausarbeit beschrieben werden.

Zu Beginn soll genauer beschrieben werden wo die Ursprünge des Tischtennissports liegen, welchen Einfluss der Nationalsozialismus auf ihn hatte und wie sich Material und Spieltaktik entwickelten. Weiterhin wird über die Gründung der ersten Bundesliga sowie den Aufstieg dieses Rückschlagspiels zur olympischen Disziplin berichtet, um dann abschließend auf einige deutsche Spielergrößen einzugehen.

Entwicklung der schnellsten Rückschlagsportart der Welt
Von den Ursprüngen bis zum Erscheinen der ersten Deutschen Tischtenniszeitung

Die Wurzeln des Tischtennis stammen, wie der Name schon verrät, aus dem Tennis. Dieses entwickelte sich wiederum aus verschiedenen Ballspielformen, die ca. 3000 v. Chr. in Ländern wie Ägypten oder China als Freizeitbeschäftigung des Adels gespielt wurden. Das heute als Tennis bekannte Rückschlagspiel entwickelte sich letztendlich aus dem „Paume“. Die Blütezeit entstand in Frankreich, breitete sich aber schnell zwischen dem 16.-19. Jahrhundert in die umliegenden Länder, unter anderem auch nach Deutschland, aus. Das Spiel, eine Mischung aus dem heutigen Badminton und Tennis, nannte man später „Lawn-Tennis“, da es im Freien auf dem Rasen gespielt wurde. Die wohlhabenden Frauen und Männer wollten aber auch bei schlechtem Wetter ihren Spaß und die Bewegung nicht missen und verlegten somit das Tennisfeld auf einen Tisch im Wohnzimmer oder im Salon. Dafür spannten sie ein Seil über den Tisch und benutzten Federballschläger ähnliche Schläger. Um den Tisch wurde ein Netz gespannt, um die anderen Möbel im Raum zu schützen. Der Ball war anfangs nur ein rund geschnitzter Korken. Dieser wurde aber schon bald durch einen Gummiball mit Flanellüberzug ersetzt. Der Name des Spiels wurde nun, dem Umfeld entsprechend, in Raum-Tennis geändert.
(www.fvss.de)
Der englische Ingenieur James Gibb veröffentlichte im Jahre 1875 die ersten Spielregeln. Damit war der eigentliche Tischtennissport geboren. (Vgl. www.fvss.de) Uneinigkeit besteht bis heute in der Frage, ob Tischtennis tatsächlich in England (erster schriftlicher Nachweis im Jahre 1874) seinen Ursprung hat oder am Ende des 19. Jahrhunderts aus Indien stammt, von wo aus sich die Sportart dann in das Vereinte Königreich ausbreitete. (Vgl. www.ndr.de)
Die ersten Zelluloid-Bälle brachte James Gibb 1891 aus den USA mit nach England. Auch heute noch bestehen die kleinen Bälle aus diesem Material. Jedoch wurden sie damals noch aus zwei Hälften zusammengesetzt, sodass eine Nahtstelle entstand, an der der Ball unberechenbar vom Tisch weg sprang. Aufgrund der Geräusche, die das neue Ballmaterial beim Auftreffen auf dem Tisch erzeugte, verbreitete sich schnell der Name „Ping Pong“. Diesen Namen meldete der Geschäftsmann John Jacques de Croydon, ein Freund von J. Gibbs, 1891 beim Patentamt an und verkaufte die amerikanischen Rechte an die Firma Parker Brothers.
Mit dem neuen Ball war ein schnelleres Spiel möglich, die langen Schläger hingegen dafür gänzlich ungeeignet. Hersteller entwickelten neue Schläger. Man experimentierte mit Fell oder Leder bespannten sowie mit Kork, Schmirgelpapier oder Wildschweingewebe beklebten Schläger, die der heutigen Form stark ähneln. 1902 kreierte E. C. Goode dann den ersten Noppengummibelag.
„Hierzu gibt es eine kuriose Geschichte, in welcher ein bis dahin unbekannter Tischtennisspieler (E.C. Goode) vor einem Turnier in einer Apotheke Kopfschmerztabletten kaufen wollte und beim Bezahlen merkte, dass die Geldstücke auf der weichen Gummiunterlage des Tresens hochhüpften. Er entschloss sich […] diese Matte zu kaufen und auf seinen Schläger zu kleben. Er erreichte das Finale und schlug sehr bekannte Spieler eindeutig. “ (www.fvss.de)

Um die Jahrhundertwende wurde in Deutschland die Berliner Ping-Pong-Gesellschaft (1899) und in England der nationale Verband „Ping Pong Association“ gegründet.
Schon 1900 eröffnete das erste Ping-Pong-Café am Victoria-Luise-Platz in Berlin. Obwohl schon sieben Jahre später bereits die ersten deutschen Meisterschaften im Casino am Nollendorff-Platz ausgetragen wurden, geriet der Tischtennissport bald danach in Vergessenheit. Erst nach dem Ersten Weltkrieg trat er wieder an die Oberfläche. (Vgl. Wolf, W. u.a. in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S. 36) Den Anstoß gab die damalige Tennis-Größe Roman Najuch, welcher erfolgreiche Sportler unterschiedlicher Sportrichtungen in das Sporthaus von Richard Raus einlud. Dort standen den Sportlern folgende offerierte spezielle Materialien zur Verfügung: Tische mit den Maßen 2,70 x 1,40 x 0,75 bis 0,85m, Netze mit einer Höhe von 17,5cm und Tischtennisschläger (hohl, mit Pergament oder Fell bezogen, oder aus Holz, mit Samt beklebt). (Vgl. ebd.) Die Initiative zur Gründung des DTTB (Deutscher Tischtennis Bund) lieferte die erste deutsche Meisterschaft am 10. Januar 1925, ausgerichtet vom Tennis-Club 1900 Gelb-Weiß, im Damen- und Herren-Einzel. Am 8. November 1925 wurde dann die erste ordentliche Generalversammlung nach Berlin einberufen. Insgesamt 32 Vereine einigten sich und beschlossen Satzung, Spielregeln und einen Mitgliedsbeitrag von 20 Reichsmark. 14 „Herren“ wurden zum Ausschuss gewählt, aus dem der Vorstand mit Dr. Georg Lehmann als Präsidenten hervorging. Zahlreiche Tischtennis-Turniere fanden statt, auch die zweite Deutsche Meisterschaft ließ nicht lange auf sich warten. Vom 12. - 16. Januar 1926 spielten über 300 Teilnehmer/innen in Berlin um den Titel. Diese Meisterschaft gab den entscheidenden Anstoß für die Gründung der ITTF (International Table Tennis Federation), die offiziell am 12. Dezember 1926 in London, im Rahmen der ersten Weltmeisterschaft (die eigentlich nur als Europameisterschaft ausgeschrieben war), gegründet wurde. Unter der Präsidentschaft von Ivor Montague beteiligten sich England, Schweden, Ungarn, Indien, Dänemark, Deutschland, (ehem.) Tschechoslowakei, Österreich und Wales. Der ITTF schaffte erstmals international einheitliche Regeln und Maße, die zum größten Teil noch heute gelten. Die Ballgröße beispielsweise wurde im Jahr 2000 von 38mm auf 40mm Durchmesser vergrößert (bzw. das Gewicht von 2,5g auf 2,8g erhöht), um das Spiel zu verlangsamen. Zusätzlich folgten kleine Regelwerksänderungen, wie z.B. die Entschärfung des Aufschlags. Ein Zeitlimit sollte die aufgrund der Mauertaktik sehr langen und unspektakulären Ballwechsel verkürzen. Der längste Ballwechsel ging über 8 Stunden und 33 Minuten. Spieler, die die neu vorgegebene Zeit von 60 Minuten bei zwei Gewinnsätzen und 105 Minuten bei 3 Gewinnsätzen überschritten, wurden disqualifiziert.
Mit der Zeit kristallisierten sich immer mehr Spezialisten heraus und Tischtennis wurde zum Volkssport. Dem DTTB traten immer mehr Vereine bei. 1927 waren es bereits 70, zwei Jahre später schon 100 Vereine. Den ersten WM-Titel der Damen für Deutschland holten 1929 Erika Metzger und Monika Rüster. War bis dato Tischtennis nur in der Zeitschrift Tennis und Golf untergebracht, erschien im Oktober 1932 die erste eigene Deutsche Tischtennis Zeitung.

Leider hat das Dritte Reich unter Adolf Hitler auch seine Spuren im Tischtennissport hinterlassen. Wichtige Funktionäre erklärten freiwillig ihren Rücktritt, da sie als „Nicht-arische“ unerwünscht waren. Besonders zu nennen sind hier die zwei damaligen Mitglieder des DTTB-Vorstands: Sportwart Dr. Herbert Caro und Schatzmeister Fritz Zinn. Auch einige der Zeit aktuelle Spieler, wie z.B. Heinz Nickelsburg (viermaliger WM-Teilnehmer), oder frühere Nationalspieler, wie Daniel Penn (ein Star im Davis Cup-Team), flüchteten kurz nach der Machtergreifung 1933 aus Deutschland. Es gipfelte 1934 in dem Verbot für das deutsche Herrenteam, an der Tischtennis-WM teilzunehmen, aus Angst, dass sich die „überlegene nordische Rasse“ gegen „minderwertige Völker“ blamieren könnte. Erst 1936 durften die deutschen Herren wieder antreten, mit der Aufgabe für die anstehenden Olympischen Spiele, bei denen Tischtennis bis dato noch nicht als Disziplin aufgenommen war, in Deutschland zu werben.
Aufgrund der immer bedeutenderen Rüstungsindustrie musste der DTTB kurz nach Beginn des zweiten Weltkriegs die Mannschaftsstärke der Männer auf vier reduzieren, die der Frauen erst 1938/39. 1940 fanden dann in Baden Kriegsmeisterschaften Groß-Deutschlands statt, jedoch gab es in der folgenden Kriegszeit keine deutschen Mannschaftsmeisterschaften mehr. Die letzten deutschen Meisterschaften dieser schlimmen Zeit fanden 1944 in Breslau statt. Hierfür wurden einige Soldaten, die Spitzenspieler waren, von der Front beurlaubt. „Dann brach der Sportbetrieb – unter den Luftangriffen auf deutsche Städte und der totalen Mobilmachung – endgültig zusammen.“ (Wolf, N. u.a. in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S. 38)

Mit der Entwicklung des Noppengummibelags überwog Anfang der 20er Jahre bis in die 50er Jahre das Defensivspiel. Unterschieden wurde nur zwischen dem Abwehr- und Angriffsschlag, weil bis dato aufgrund des Schlägermaterials nur bedingt Bälle mit Spin gespielt werden konnten. Im Anschluss an diese Zeit dominierte immer mehr das Offensivspiel. Dies kam mit den neuen Softbelägen auf, die es dem Spieler ermöglichten, dem Ball mehr Spin zu verleihen und zusätzlich durch den Schwammbelag das Spieltempo zu erhöhen. Die Entwicklung des Topspin kam Anfang der 60er. Erich Arndt war der erste Deutsche, der diesen Schlag sicher spielte. (Vgl. www.tt-s04.de) Die Frischklebemethode brachte in den 80ern noch einmal neuen Schwung und erhöhte erneut das Tempo. Zusätzlich gewann der Handgelenkseinsatz an Bedeutung, um den Schnitt und Spin zu verstärken. Mit dieser Neuheit konnte Europa schließlich die „asiatische Vormachtstellung“ brechen. (www.ttpur.de)

Ein mühsamer Start in die Bundesliga

Die Bundesliga startete am 10. September 1966 in ihre erste Saison. Doch bis dahin war es ein langer Weg. So schmückten erst die Oberligen als Eliteklassen den Tischtennissport. Doch schnell kam Anfang der 60er Jahre der Wunsch nach einer neuen, bundeseinheitlichen Spielklasse aus Reihen des DTTB und seiner Regional- und Mitgliederverbände auf. Grund dafür waren auch die rückläufigen Zuschauerzahlen und das ohnehin geringe Medieninteresse. Erst nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Uneinigkeiten über das Wann, Wo und insbesondere Wie sprachen sich die Sportwarte der Landesverbände noch im Jahr 1965 für die Gründung einer Bundesliga aus. Der DTTB-Sportausschuss legte nun fest, dass die vier Meister der Oberligen in der Bundesliga spielen dürfen sowie die vier Gruppensieger eines Qualifikationsspieles die weiteren Startberechtigungen erhalten. Die Bundesligasaison 1966/67 startete somit mit folgenden acht Mannschaften:

Meister der Oberligen
VfL Osnabrück (Oberliga Nord)
SV Moltkeplatz Essen (Oberliga West)
SSV Reutlingen (Oberliga Süd)
1.FC Saarbrücken (Oberliga Südwest)

Gruppensieger der Qualifikationsturniere
DJK TuSa Düsseldorf (Zweiter Oberliga West)
TSV Milbertshofen (Zweiter Oberliga Süd)
Post SV Augsburg (Dritter Oberliga Süd
TTC Mörfelden (Zweiter Oberliga Südwest) (Roscher, S., in: 40Jahre Tischtennis-Bundesliga, 2006, S.8f)

Doch die erhofften Zuschauerzahlen blieben anfangs aus und so kamen nur 480 Besucher in die Sporthallen zu den ersten vier Spielen. Mit 1000 Zuschauern am vierten Spieltag war dann aber ein durchaus spürbarer Erfolg zu verzeichnen. „Ebenfalls positiv verbucht werden konnte der Umstand, dass das Fernsehen (ARD) in Düsseldorf und München vor Ort war und zudem das ZDF immerhin über die Resultate auf Ergebnistafeln informierte.“ (ebd., S.10) So konnte man schon nach den ersten sechs Spieltagen eine erfreuliche Zwischenbilanz ziehen, denn die Tischtennisbundesliga „wurde schon in diesem frühen Stadium allgemein als interessant und sportlich äußerst wertvoll angesehen.“ (ebd., S.10) Insgesamt wurden in der ersten Saison 13.060 Zuschauer in den ersten 56 Partien gezählt, das bedeutet rund 233 Zuschauer pro Spiel. Die Eintrittspreise lagen bei rund drei Mark. (ebd., S.12) Den ersten Meistertitel der Bundesliga erspielte sich der TuSa Düsseldorf in der Besetzung Eberhard Schöler, Dieter Forster, Hans-Jörg Offergeld, Franz-Walter Beyss, Helmut Diekers, Albert Paessens und Herbert Dombrowski. Eberhard Schöler wurde zusätzlich erfolgreichster Spieler der Saison, da er nur ein einziges Spiel verlor.
Zum Ende der ersten Bundesligasaison konnte man schließlich sagen, dass sie sich schon jetzt etablierte und aus dem Leistungssport nicht mehr wegzudenken war. In der folgenden Saison kamen noch zwei Mannschaften hinzu, sodass bis heute 10 Mannschaften in der Bundesliga spielen. Letztes Jahr 2006 konnte die Bundesliga bereits ihren 40. Geburtstag feiern. Heute ordnet Timo Boll die Bundesliga im internationalen Vergleich auf Rang zwei, gleich hinter der chinesischen Liga, ein. (Kelker, D., in: 40Jahre Tischtennis-Bundesliga, 2006, S.60)

1981 beschloss die 84. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees, dass Tischtennis und Tennis als 22. und 23. Sportart ab 1988 (Seoul) mit in das Programm aufgenommen werde. Gespielt werden sollte in vier Wettbewerben: Herren- und Damen-Einzel sowie Herren- und Damen-Doppel. Mixed und Mannschaftskämpfe wurden nicht zugelassen. Neben Popularität und Qualität einer Sportart zählt auch der historische, traditionelle und regionale Grund für die Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele. Bis heute wurden aber nur 2 Medaillen nach Deutschland geholt. So gewann 1996 Jörg Roßkopf in Atlanta die Bronzemedaille im Herren-Einzel. Im Herren-Doppel mussten sich 1992 Steffen Fetzner und Jörg Roßkopf nach einem spannenden Spiel gegen die Chinesen Lu Lin und Wang Tao nach einer 2:3 Niederlage mit der Silbermedaille zufrieden geben. 2004 in Athen konnte Timo Boll nur das Viertelfinale erreichen. (Wolf, N. in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.88f)

Konrad Freundorfer („Conny“) *09.11.1936, † 07.05.1988

„Beim Deutschen Mannschaftsmeister 1947,1948 und 1949 reifte der spielbesessene Conny vom Rohdiamanten zum nationalen Aushängeschild, das den Tischtennissport in Deutschland ungeheuer populär machte.“ (Wagner, C., in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.48) 1950 nahm Konrad F. erstmals an der Deutschen Jugendmeisterschaft teil und kam bis ins Endspiel, das er aber leider verlor. Zusammen mit seinem Finalgegner konnte er im Jungen-Doppel jedoch seinen ersten nationalen Titel holen. Da war er gerade mal 13 Jahre alt. In den Folgejahren spielte sich Conny immer weiter nach vorne, sodass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis er die Nummer Eins in Deutschland sein würde. Mit gerade mal 15 Jahren durfte Freundorfer, dank einer Sonderfreigabe für den Erwachsenensport, sein erstes Länderspiel gegen Österreich bei den Herren antreten. Schon ein Jahr später (1953) konnte der junge Sportler seinen ersten Deutschen Meister-Titel im Herren-Einzel in Herford feiern, den er in den folgenden acht Jahren immer zu verteidigen wusste. Erst beim zehnten Versuch den Titel in Folge zu verteidigen, scheiterte er im Viertelfinale gegen den Stuttgarter Peter von Klaudy.
Insgesamt hat Konrad Freundorfer eine gute Bilanz gezeigt. Ganze 18 Jahre schaffte er es ununterbrochen in der DTTB-Rangliste zu erscheinen, davon 9 Jahre auf Platz 1. Damals machten ihn seine 102 Teilnahmen an Länderspielen zum Rekordnationalspieler. Darunter nahm er an neun Welt- und vier Europameisterschaften teil. Sein größter Erfolg war der dritte Platz beim Herren-Einzel bei den EM 1960 in Zagreb.
Freundorfers Spiel war in jeder Spielphase fast ausschließlich von Intuition geleitet, taktische Konzepte interessierten ihn weniger. Heutige Trainer hätten es sicherlich schwer mit ihm, da er eigenen oder gegnerischen Spielanalysen nichts abgewinnen konnte.
DTTB-Vizepräsident Eberhart Schöler beschreibt Conny als ein Bewegungsphänomen, der „mit enormer Schnelligkeit und Beweglichkeit ausgestattet, […] seine spontanen Einfälle blitzartig in überfallartige Angriffe (umsetzte).“ (Wagner, C., in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.49) Schöler beschrieb seinen damaligen Gegner, den er sehr bewunderte, als jemanden, „der mich von links nach rechts hetzte, mich dann mit einem unnachahmlichen Stoppball an den Tisch lockte, um den nächsten Vorhandschlag wieder in eine der Tischecken zu platzieren.“ (ebd., S.49) Connys Erfolgsrezept waren seine schnellen Beine, sein außergewöhnliches Ballgefühl, ein waches Auge und der sichere Instinkt, im richtigen Moment das Richtige zu tun. Zum Verhängnis, so sagten viele, wurde Conny seine Verspieltheit oder auch die Sucht, auf eine Finnesse oder einen Trick immer noch eins drauf zu setzten. Dies erkläre, warum er keine größeren Erfolge auf internationaler Ebene erreichte. Charly Braun sagte über seinen Konkurrenten am Tisch: „Conny aber hat mit der unglaublichen Leichtigkeit und Fantasiefülle seines Spiels die Sportart Tischtennis endgültig aus der Caféhaus-Atmosphäre entrissen und es populär gemacht.“ (ebd., S.49)

Am populärsten wurde der Düsseldorfer Eberhart Schöler durch die WM´69 in der Eissporthalle zu München. Der Defensivkünstler stand dem Penholder-Angreifer aus Japan (Shigeo Ito) im Endspiel gegenüber, konnte ihn aber trotz Gewinn der ersten beiden Sätze (21:19 und 21:14) nicht besiegen und gewann Silber. Weitere Erfolge erzielte er, als er 1965 und 1967 WM Dritter wurde und auch mit seiner Frau Diane im Mixed 1971 die WM-Bronzemedaille gewann. Zusätzlich erspielte er sich noch neun Titel als Deutscher Einzelmeister. (Fuchs, D., in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.55) Bis März 1994 galt er viele Jahre als Rekord-Nationalspieler. Mister Pokerface wurde er aufgrund seiner geradezu stoischen Ruhe und Konzentrationsfähigkeit genannt. „Schölers Art war es vielmehr, den Gegner nicht grundsätzlich als solchen zu begreifen, sondern als jemanden, der notwendiger Weise auf der anderen Seite des Tisches stehen musste, um die hohe Kunst des anspruchsvollen Sports mit dem Zelluloidball überhaupt zelebrieren zu können.“ (ebd., S. 55) Mr. Pokerface beendete 1974 nach 155 Länderspielen seine internationale Karriere. Mit der Bundesligasaison 1978/79 verabschiedete sich Schöler dann komplett als Sportler. Seine zweite Karriere begann 1981, als er zuerst die ehrenamtliche Position des DTTB-Sportwarts und später die Vizepräsidentschaft des Leistungssports übernahm. Weiterhin wurde er Mitglied im Council des Weltverbandes ITTF und stellvertretender Präsident der europäischen Dachorganisation ETTU. In der Ära Schölers gibt es noch andere große Namen zu nennen: Erich Arndt aus Mörfelden, auch Maschienengewehr genannt, weil er auf alles schoss, was nach Ball aussah, Wilfried Lick, der derzeit mit seiner Art des Block-Tischtennis den Sport prägte sowie Berni Vossebein, der mit fast siebzig Jahren noch in der Bundesliga aktiv war.

Jörg Roßkopf „löste quasi gleich eine ganze Generation mit Peter Stellwag sowie Engelbert Hüging, Peter Engel und Ralf Wosik ab, die zuvor über Jahre hinweg den Herren-Bereich dominierten“. (Kramer, D., in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.63) Lange Zeit galt er als der erfolgreichste Tischtennisspieler aller Zeiten. (Schäfer, A. und M., Wolf, N., in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.219) So wurde er neben seinen Medaillengewinnen 1986, `88-`92, `94-`97 zum Spieler des Jahres im DTTB geehrt sowie mit dem silbernen Lorbeerblatt 1990 und 1996 ausgezeichnet.
Bereits mit 15 feierte Jörg Roßberg am 12. Dezember 1984 sein internationales Spieldebüt. Bis um die Jahrtausendwende stand Jörg Roßkopf als Synonym für den deutschen Tischtennissport. Dank ihm konnte der DTTB in den 90er Jahren in die europäische Spitze und später auch in die Weltspitze aufsteigen. Er schaffte es in Deutschland wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die schnellste Rückschlagsportart der Welt zu lenken, auch wenn - wie er selbst sagte - die TV-Anstalten trotz der „Erfolge und intensive(n) Bemühungen […] unseren Sport merkwürdigerweise blockier(en)“. (Kramer, D., in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.64)
Mr. Tischtennis erreichte vor allem mit seinem langjährigen Club Borussia Düsseldorf (1986-2000) und dem Nationalteam seine Höchstformen. Er schaffte es, eine schon verloren geglaubte Partie umzudrehen. Geld als Ansporn zählte bei ihm nicht. „Erfolge mit der Mannschaft sind die schönsten.“ (ebd., S.62)
Roßkopf zeichnet sich aber nicht nur durch seine überragenden Spielkünste aus. Auch seine Offenheit, Ehrlichkeit und Gradlinigkeit machen ihn zum respektierten Ansprechpartner der Medien. Immer wieder sprach er „intern schonungslos Missstände an und redete notfalls auch in der Öffentlichkeit Tacheles“. (ebd., S.62)

Mittlerweile ist wohl bereits die nächste Ära, nämlich die von Timo Boll angebrochen, der 2002 zehnter bester Deutscher der Weltrangliste wurde und somit Jörg Roßkopf überholte. Im Januar 2003 schaffte er es für kurze Zeit als erster Deutscher auf die Nummer eins der Weltrangliste. Mit dem erst vor wenigen Wochen errungenen Dreifachtriumph bei der EM 2007 in Belgrad konnte er sich um einen Platz wieder auf Rang 3 der Weltrangliste verbessern. Boll gewann im Einzelfinale mit einem 4:1 Sieg gegen den Weißrussen Wladimir Samsonow, im Doppel mit Christian Süß gewann er ebenfalls mit einem 4:1 Sieg und holte zusätzlich mit der Mannschaft Gold. (www.tischtennis.de/aktuelles/)
Als Linkshänder (Shakehand-Haltung) und Angreifer zeichnet ihn sein Spezialschlag „Topspin mit viel Effekt“ besonders aus. Seid 1995 spielt Timo Boll beim TTV Gönnern und die Tischtennisfans setzten große Hoffnung darauf, dass er seine gesetzten Ziele, WM und Olympia Medaillen zu erspielen, erreichen wird.

Trotz der ca. 707.000 Mitglieder die der DTTB heute zählt und der großen deutschen Erfolge in dieser Sportart kann der Tischtennis-Sport nicht im Wettbewerb mit anderen Sportarten, vor allem den Freizeit- sowie Trendsportarten mithalten. (Vgl. www.fvss.de) Zurzeit sind die Mitgliederzahlen vor allem der jüngeren Spieler eher rückläufig nur die Senioren halten den Bestand über 700.000. Wo sind die Ursachen zu suchen? Der DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gräb sagt: „…eine Sportart, die für ein Millionenpublikum interessant sein will, (muss) kurzweilig und verständlich dargeboten werden.“ Daran „mangelt es unserem Tischtennissport am meisten“. (Bauer, W., in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S. 115) Die Spielsätze wirken aufgrund der fehlenden Spannung und kurzzeitig auftretenden Entscheidungssituationen zu lang und uninteressant. Hinzu kommt, dass die Ballwechsel ein so schnelles Spieltempo erreichen, dass es für einen Laien fast unmöglich ist, ihnen zu folgen. Die Konzentrationsfähigkeit und Aufnahmefähigkeit des Durchschnittszuschauers reicht für diese Sportart nicht aus. (ebd., S.115) Dies hatte zur Folge, dass 2000 der Ball von 38mm auf 40mm vergrößert wurde, um das Spiel zu verlangsamen. (Vgl. 2.1) Auch dürfen die Spieler heute nicht mehr „frisch Kleben“ und müssen ihre Schaumgummistärke der Belege reduzieren. Beides führt auch zur Minderung des Spieltempos. Zusätzlich wurden die Aufschlagregeln verschärft. Auch wenn Schöler sagte, dass „Änderungen […] für den Tischtennissport lebensnotwendig“ seien, weist er gleichzeitig darauf hin, dass diese auch Risiken mit sich bringen können. (Bauer, W. in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S.115)

Der DTTB-Chef bündelt 2000 schließlich die angestrebten Ziele in vier Themenschwerpunkte:

1. Der DTTB muss seine gesellschaftliche Rolle im Vergleich zum sonstigen Freizeitsport neu definieren.
2. „Der Tischtennissport muss seine eigenen Stärken herausarbeiten und im Vergleich zu anderen Sportarten herausstellen.“ (Bauer, W. in: Ein Spiel fürs Leben, 2000, S. 117)
3. Die Öffentlichkeitsarbeit muss wirksam verstärkt werden. Vor allem aber auch die Kooperation mit den Medien.
4. Der DTTB muss Maßnahmen zu Mitgliedergewinnung ergreifen. „Ein wichtiges Feld ist dabei der Schulsport.“ (ebd., S. 117)

Denn der Tischtennissport hat einige Privilegien: Er ist für jedermann finanziell erschwinglich, benötigt keine aufwendigen Materialien (zur Not reichen umfunktionierte Tische und die bloßen Hände), kann drinnen wie draußen gespielt werden, die Mitspielerzahl kann beliebig variiert werden und nicht zuletzt sind der Kreativität bei den Regelvariationen keine Grenzen gesetzt.
„Und das schönste: es ist „Sport zum Anfassen“ geblieben, nicht elitär und weit entrückt.“ (Roscher, S., in: 40Jahre Tischtennis-Bundesliga, 2005, S.6) Was im Fußball schier undenkbar, ist beim Tischtennis noch heute der Fall. Der Zuschauer ist immer noch mittendrin statt nur dabei. So ist ein „entspannter Plausch mit Profispielern, Trainern und Managern“ noch immer möglich. (ebd.,S.6)

Bücher:

Schäfer, M./ Stöckmann, W./ Wolf, N.:
Ein Spiel fürs Leben, 2000, Deutscher Tischtennis-Bund (Hrsg.)

Roscher, S., Speer, W.:
40Jahre Tischtennis-Bundesliga, 2006, Deutscher Tischtennis-Bund (Hrsg.)

Internet:

www.fvss.de/assets/media/jahresarbeiten/sport/tt/02geschichte/geschichte.html
(Zugriff am 22.3.2007)
www.ndr.de/sydney2000/sportarten/geschichte/tischtennis.html
(Zugriff am 26.3.2007)
www.slotsch.de/html/tischtennis.html (Zugriff am 26.3.2007)
www.tischtennis.de/aktuelles/ (Zugriff am 6.4.2007)
www.tischtennis.de/topsport/portraits/details.php?id=7 (Zugriff am 6.4.2007)
www.ttpur.de/start.html (Zugriff am 6.4.2007)

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